22.06.2017

Julia Kick steigert sich erneut über die 1500 m


Hin und wieder muss man sich wirklich die Augen reiben. Nachdem Julia Kick sich im Laufe der letzten Jahre in die deutsche Spitze über die 1500 m gearbeitet hatte, ging ich fest davon aus, dass sie spätestens nach dem Abschluss ihres Studiums kürzer treten und sich langsam vom Leistungssport verabschieden würde. Nun hat mich Julia wieder einmal eines Besseren belehrt. Nach der neuen persönlichen Bestzeit in München kam sie bei der Sparkassen Gala im Regensburger Uni-Stadion in sagenhaften 4:12,71 Minuten ins Ziel. Wer sich nun fragt, wie solche Leistungen bei einem 40-Stunden-Job und zahlreichen weiteren Aktivitäten in der Kinder-Leichtathletik der SG Post/Süd möglich sind, der stößt vor allem auf eine noch relativ junge Eigenschaft von Julia: Lockerheit!

Julia Kick war einst eine Athletin aus dem schier unerschöpflichen Läufer-Reservoir von Kurt Ring und wurde früh an das Training und das Leben einer Leistungssportlerin herangeführt. Mit eiserner Disziplin und hartem Training gelangen dann auch maximale Erfolge, die zu deutschen Meistertiteln und der Teilnahme an der Jugend-Weltmeisterschaft führten. Was dann folgte, ist leider keine Seltenheit unter Leichtathleten. Julia hatte den Spaß am Leistungssport verloren und einfach nicht mehr genug Energie, um so weiterzumachen wie bisher. Es folgte die Zeit der Neuorientierung, der Blick über den Tellerrand hinaus und irgendwann kam der Spaß ganz langsam zurück. Die Freude am Laufen überlagerte die ständige Hatz nach neuen Bestzeiten und Normen, der persönliche Reifeprozess führte zu neuen Sichtweisen und brachte eben jene Lockerheit, die sich Julia bis heute bewahrt hat und die sie scheinbar zu immer neuen Höhenflügen treibt. Ein weiterer ganz wichtiger Faktor ist ihr Freund und Trainer Dominik Wagner, der sich um die Trainingsinhalte kümmert und mit dem sie bei ausgiebigen Bergtouren immer wieder den nötigen Ausgleich zu Arbeit und Leistungssport finden kann.

Wenn man Julia Kicks Entwicklung mit der zahlreicher Leistungssportler vergleicht, die ihre mangelhaften Leistungen regelmäßig mit der schlechten finanziellen Förderung begründen, kann man sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.

(ak)